Interview mit Panteón Rococó

14. Juli 2006
Vor ihrem Konzert auf dem Schlossplatz in Oldenburg stellten sich Luis (Gesang), Dario (Bassist) und Tanis (Percussion) von Panteón Rococó unseren Fragen.

Ihr seid jetzt bereits zum vierten Mal in Oldenburg. Gefällt es Euch hier so besonders gut?


Luis: Als wir zum ersten Mal eine Tour durch Europa gemacht haben, hatten wir nie gedacht, dass Deutschland eines der Länder ist, wo unsere Auftritte am Besten angenommen werden. Jetzt sind wir, wie Du
sagst, das vierte Mal hier in Oldenburg. Kürzlich haben wir in Kassel zum fünften Mal gespielt und so gibt es einige Städte die wir immer wieder aufsuchen, wo es Leute gibt, die zu den Konzerten kommen und
die Band mögen.

Dario: Und wir hoffen, dass die Leute sich nicht langweilen, auch wenn wir so oft kommen (lachen).



Ihr habt nicht überall so gute Erfahrungen gemacht. Letztes Jahr seid Ihr in Deutschland überfallen worden. Wie war das?


Luis: Also, wir sind damals von Potsdam nach Kopenhagen gefahren und haben an einer Autobahnraststätte in der Nähe von Neuruppin angehalten. Dort wurden wir von sieben Personen mit rassistischen
Parolen angegriffen, wie "Haut ab!", "Was wollt ihr hier?" oder "Das hier ist nur für Deutsche!". Das war eine schlechte Erfahrung, aus der wir sehr viel gelernt haben. Wir glauben es ist wichtig, was uns passiert ist, weil wir bis dahin immer die schönen Seiten kennen gelernt haben und dieses Mal haben wir halt auch die schlechte, dunkle Seite kennen gelernt und das hilft uns auch dabei etwas vorsichtiger zu sein. Darüber hinaus haben wir auch mehr über Rassismus und Faschismus hier gelernt, die nicht nur Probleme in Europa sind, sondern auch in Mexiko, Argentinien oder Chile.

Tanis: Viele Leute haben auf der Homepage von Panteón geschrieben, dass es ihnen Leid tut und sie hoffen, dass wir trotzdem nach Deutschland zurückkommen werden. Wir haben sehr viel darüber nachgedacht und glauben, dass es ein Problem ist, dass nicht nur Deutschland betrifft, sondern die ganze Welt. Auch in Mexiko gibt es viele rassistische Menschen, die die indigene Bevölkerung sehr abschätzig behandeln.

Dario: Ich glaube es ist wichtig die Angriffe der Neo-Nazis zu erwähnen, aber gleichzeitig auch die Aggression die von Seiten der Polizei kam. Wir haben damals die Polizei gerufen, um den Angriff anzuzeigen und die Polizei kam, aber war die ganze Zeit gegen uns. Die Nazis waren auf der Straße und betranken sich weiter und die Polizei umstellte unseren Tourbus und verlangte unsere Pässe. Wir endeten dann auf der Polizeiwache und kamen letztlich mit acht Stunden Verspätung bei unserem nächsten Auftritt an. Es ist sehr wichtig zu sehen, dass die Polizei nie eingesehen hat, dass wir aus rassistischen Gründen angegriffen wurden. Die Polizei stellte das als normalen Konflikt zwischen linken und rechten Jugendlichen dar, wie es in Deutschland üblich ist. Aber in Wirklichkeit war es ein rassistischer Angriff gegen uns. Die Deutschen, die uns begleiteten,
unser Fahrer und einige Techniker, verstanden das sehr gut und bestätigten das auch gegenüber der Polizei. Aber es gab uns letztlich ein schlechtes Gefühl nach dem Angriff der Neo-Nazis auch noch die Aggression der Polizei mitbekommen zu haben.

Ja, schön, dass Ihr trotzdem wieder da seid. Ihr habt auf dieser Tour auch ein politisches Anliegen und macht verschiedene Aktionen, auch hier in Oldenburg. Vor allem geht es dabei um die Geschehnisse in Atenco. Was ist da genau passiert?


Dario: In Atenco erleben wir die Repression der mexikanischen Regierung. Es war ein Angriff der Polizei gegen BlumenvekäuferInnen und Menschen aus dem Dorf Atenco. Ich glaube bis jetzt gab es allein in Atenco zwei Tote. Zwei Jugendliche, ein Kind und ein Schüler sind getötet worden. Und nicht nur in Atenco, sondern auch in Oaxaca gibt es Repression gegen streikende LehrerInnen.

Tanis: Die Angriffe der Regierung in Atenco waren direkt gegen die zapatistische "Andere Kampagne" erichtet, die ja gerade sehr stark wächst. Das ist ein Signal der Regierung. Wie Dario schon sagt, es gab zwei Tote. Aber die Polizei war noch brutaler mit den Frauen, es gab 28 Vergewaltigungen von Frauen in Polizeigewahrsam. Das Ziel der Polizei waren die Frauen, und das tat sehr weh, nicht nur den Menschen in Atenco, sondern in ganz Mexiko.

Luis: Einige der misshandelten Frauen waren internationale Beobachterinnen. Darunter waren Fotografinnen für verschiedene ausländische Medien, eine Chilenin, zwei Spanierinnen und eine Kanadierin, die sexuell missbraucht und 2-3 Tage später abgeschoben wurden. In Mexiko sind gerade Wahlen. Es gab eine Wahl, die mit einem Wahlbetrug endete, mit dem sich die Ultra-Rechte an der Macht installierte, ohne die Stimmen der Bevölkerung zu berücksichtigen. In Mexiko herrscht derzeit ein Klima der Unsicherheit, der Repression und der Gefahr. Die Menschen haben Angst auf die Straße zu gehen, um anzuklagen was gerade passiert. Sie schlagen die Leute auf der Straße, so wie in den 60er oder 70er Jahren, als die lateinamerikanischen Diktaturen eine schlimme Repression ausübten.

Dario: Auf dieser Tour sehen wir uns als Teil der zapatistischen"Anderen Kampagne". Wir haben die Sechste Erklärung aus dem lakandonischen Urwald unterzeichnet, die von der EZLN veröffentlicht wurde. Auf dieser Tour arbeiten wir mit Zusammenhängen wie dem "Ya Basta Netz" zusammen und mit Kollektiven, die Soli-Arbeit zu Atenco oder Oaxaca machen. Wir haben einige Aktionen gemacht, als Antwort darauf, was gerade in Mexiko geschieht: Am 2.Juli als die Wahlen stattfanden haben wir an einem Protest vor der mexikanischen
Botschaft in Berlin teilgenommen, wo viele Leute kamen. Der nächste Präsident, die nächste Regierung kam mit einem Wahlbetrug an die Macht, aber das mexikanische Volk will das nicht mehr. Wir wünschen uns, dass die Leute hier Druck auf ihre Regierung ausüben. Auch damit sie nicht Verbündete sind mit den Kriminellen, die in Lateinamerika und speziell in Mexiko regieren. Die Steuern die wir bezahlen sollen nicht dieser Regierung dienen, die damit zum Beispiel die Repression in Atenco finanziert.



Es werden heute auch Unterschriften gesammelt. Was sind da die Forderungen?  

Luis: Die Leute aus den Gruppen in Europa, oder speziell hier in Deutschland, die zu dem Thema Zapatismus arbeiten, waren meistens schon dort in Chiapas und kennen die politische Situation. Wir wollen, dass die Leute sehen, was in Mexiko geschieht. Es ist sehr schwierig, das über Unterschriften zu erreichen. Aber es
ist sehr wichtig, dass die Leute hier anfangen Druck auf ihre Regierung auszuüben, damit diese nicht Verbündete der kriminellen Regierung in Mexiko ist. Das ist die Idee. Und sie ist sehr nahe an der zapatistischen Idee, um endlich die jahrelange Korruption in Mexiko zu beenden. Das ist eine schwierige Aufgabe, weil das ein Mexiko ohne jegliche politische Parteien bedeuten würde, die sehr mächtig sind und alles kontrollieren.

Tanis: Wir denken vielleicht ist es etwas schwierig, aber alle politischen Bewegungen sollten zusammen auf ein Ziel hinarbeiten, sei es mit Unterschriftensammlungen, Konzerten oder Demonstrationen.
Heute ist Panteón Rococó in Deutschland bekannt und die Leute wissen, dass unsere Texte politisch sind. Wir kommen hierher, damit die Leute tanzen und sich freuen. Aber es wird die Zeit kommen da werden wir
sie um ihre Unterstützung bitten, um etwas gegen diese illegale Regierung zu tun, die sich gerade in Mexiko an der Macht installiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

http://www.panteonrococo.com/