Weiterhin sind viele Ortschaften in Oaxaca von APPO-Organisationen
regiert, die dort "Volksräte" gegründet haben. Die PRI-Anhänger, welche
sich durch den vorläufigen Verbleib von Ulises Ruiz gestärkt fühlen,
versuchen nun, sich die lokalen Machtzentren wieder anzueignen. Ein
heftiger Machtkampf tobt in der nördlichen Region der Triquis, aber auch
in anderen Landesteilen ist die Lage äusserst angespannt. An der Küste
hat sich eine reginale APPO konstituiert, in der Canada sind
Paramilitärs für Angriffe auf Schulen und autonome Räte verantwortlich.
Jüngstes Beispiel für diese Repression ist San Antonio im Bezirk Ocotlán
de Morelos: Im August haben sich 70 Prozent der Bevölkerung in einer
Vollversammlung gegen den Verbleib des korrupten PRI-Bürgermeisters
López Sanchez ausgesprochen und den Bezirk übernommen. In der Nacht auf
den 25.1. überfiel nun Lopez Sanchez mit mehreren Dutzend Anhängern mit
Steinen, Stäcken und Pistolen das Ratshaus; die zwei Attacken dieser
Bande konnten jedoch von der Bevölkerung abgewehrt werden. Es gab 42
Verletzte.
Quelle: http://www.kennesaw.edu
Alternativnobelpreisträger und Maler Francisco Toledo, der auch
Präsident des "Komitees Freiheit 25.November" ist (das die juristische
Verteidigung der 350 seit dem 25.11. Verhafteten unterstützt) betont am
25. Januar gegenüber der Jornada, dass in Oaxaca weiterhin "unter einem
wahrhaftigen Ausnahmezustand leidet". Auch Sara Mendez vom
Menschenrechtszentrum RODH bestätigt dies und stellt fest, dass die oft
verletzten Verhafteten keinerlei medizinische Betreuung bekommen. Oft
wüssten die Verhafteten auch nicht, wessen sie angeklagt würden und
bekommen keinen juristischen Beistand. Die Senatorin Rosario Ibarra de
Piedra betont, sie sei sehr empört und traurig über die "Illegalität der
Regierung". Die Ereignisse in Oaxaca stellt sie in die Kontinuität der
repressiven Innenpolitik mit den unaufgeklärten Massakern von 1968, 1971
sowie Acteal und Aguas Blancas und zuletzt San Salvador Atenco im Mai 2006.