Sicherheitskräfte bereiten sich auf die Vertreibung von 35 Gemeinden im Montes Azules Reservat vor
La Jornada, Samstag, 16. März 2002. – Hermann Bellinghausen

  Die Operation zur Umsiedlung von Gemeinden aus den umkämpften Ausläufern des Montes Azules Naturreservates steht unmittelbar bevor. Die Trockenperiode ausnutzend, könnten Bundestruppen der Öffentlichen Sicherheit und die Armee sich darauf vorbereiten in die Selva einzumarschieren, und die Bewohner von mindestens 35 indigenen Gemeinden zu vertreiben, die sich dort niedergelassen haben. Diese alte Besessenheit Zedillos, ist zu einer Frage geworden, die nicht länger national ist, sondern die internationale Sicherheit betrifft. Für die Regierung ist es ein ernstes Problem der " Unregierbarkeit." Die Maßnahmen für ein solches Manöver werden bereits auf bundesstaatlicher und nationaler Entscheidungsebene vorbereitet.

Der springende Punkt dabei ist, das Paket von Anzeigen, die am 12. September von Margarito Chanka Yun Yuc, Pablo López Rodas und Fidencio Martínez vorgelegt wurden. Einen  Tag später, am 13. September, fand die Umweltkonferenz in Tuxtla Gutierrez statt. Gouverneur Pablo Salazar  leitete sie und bundesstaatliche und nationale Institutionen nahmen daran teil. Während Untersuchungen gegen 16. Dörfer vorbereitet wurden, einigte sich die Konferenz darauf Aktionen gegen einige Gemeinden in Montes Azules zu beginnen. (Eine Woche zuvor, am 7. März, hatte ein Delegierter der Bundesabteilung für Umweltschutz (PROFEPA) erklärt, er hätte bereits "90%" seiner Arbeit beendet, zu der die "Umsiedlung" von Gemeinden gehörte).

 Seitdem gab es Treffen und Anhörungen in verschiedenen nationalen und internationalen Entscheidungszentren. Zapatistische Gemeinden und Gemeinden von ARIC-Independente, die von Vertreibungen bedroht sind, haben seit dem letzten Dezember Armeeeinfälle, Niedrigflüge und Androhungen von bevorstehenden Vertreibungen gemeldet.

 Nach Aussage des  PROFEPA-Leiters, verkündete Ignacio Campillo García vor vier Monaten, die Bundesregierung hätte "neun Gebiete von hoher Unregierbarkeit entdeckt." Unter diesen gäbe es zwei Prioritäten: Montes Azules und El Vizcaíno (ein Walreservat im kalifornischen Ozean). Der Beamte erklärte diese Gebiete seien als "Gebiete höchster Priorität für die Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung" ausgesucht worden (El Universal, 25 Dezember, 2001), während er einräumte, dass die Bundesarmee wahrscheinlich "notwendigerweise" daran beteiligt sein würde. "Wir werden ihre Hilfe bei diesen Operationen, und später bei den operativen und Sicherheitsarbeiten benötigen."

 Die "hohe Unregierbarkeit" in diesen Gebieten war bereits im letzten November von dem damaligen Berater für Nationale Sicherheit, und gegenwärtigem mexikanischen Repräsentanten des UN Sicherheitsrates, Adolfo Aguilar Zinser, bemerkt worden. Der Umweltrat für Chiapas, dessen Aufgabe es ist die Regierungsfähigkeit zu "erleichtern", besteht aus SEMARNAT, PROFEPA und CONAFOR als Bundesinstitutionen, und, seitens der Regierung von Chiapas, aus der  Regierungsabteilung, der Abteilung für landwirtschaftliche Entwicklung und indigene Völker, dem Institut für Naturgeschichte und Ökologie, dem staatlichen SEDESOL, sowie dem Justizministerium.

Der Plan Puebla-Panama

Vieles wird in Regierungskreisen als gegeben hingenommen, wegen der  Entschlossenheit den Puebla-Panama Plan um jeden Preis durchzuführen. Deshalb wird die Maquiladora-Route zwischen Benemérito de las Americas und Palenque liegen, entlang der ganzen nördlichen Selva Lacandona. Zahlreiche Industrieanlagen werden in den nächsten Monaten in Betrieb genommen werden, und alles ist bereit um die brandneue Grenzstraße, die bereits ein paar Kilometer von Montes Azules entfern verläuft, in eine vierspurige Autobahn zu verwandeln.

Auch die Pläne für den riesigen Staudamm von Boca del Cerro machen Fortschritte, auf Kosten des Wassers des Usumacinta Flusses und der Waldgebiete, sogar der Dörfer, die tausende Indigenas bewohnen. Es handelt sich um ein transnationales, hydroelektrisches Projekt, auf mexikanischem und guatemaltekischem Gebiet, ehrgeizig und voller Investitionsversprechungen.

 Es waren genau diese Investoren, auf die sich der PROFEPA Leiter voriges Jahr zu Weihnachten bezog, als er die Bundesregierung bat, ihnen eine "starke, gut geölte Infrastruktur" anzubieten. Campillo García antwortete ruhig, das würde geschehen, sobald  sie  in der Lage wären, einen legalen Rahmen für Inspektionen und adequate Sicherheit bieten zu können, um die die nationalen und ausländischen Investoren zu größeren Finanzierungen zu ermutigen.

Den zahlreichen Anzeigen zufolge, sind 49 Gemeinden gefährdet. 16 stehen bereits vor dem Countdown der Untersuchungen: Primero de Enero, Nuevo Caracol, Nuevo Chamizal, San Antonio Miramar, Nuevo Aguadulce, Ranchería Corozal, San Francisco, San Gregorio, Nuevo Guadalupe Tepeyac, Nuevo Israel, El Semental, Salvador Allende, Santa Cruz, Primera und Segunda Ampliación San Antonio Miramar, Sol Paraíso und Arroyo Cristalina.

 Zapatistische autonome Bezirke und verschiedene zivile Organisationen haben wiederholt die bevorstehende Vertreibung von etwa 35 Dörfer in und um das Monte Azules Naturreservat denunziert. Das Kollektiv für Information und Forschung der Selva Region gab bekannt, dass für die Vertreibungsoperation nur noch das genaue Datum und die Stunde fehlen, denn die Woche in der sie stattfinden soll ist bereits festgesetzt: die Osterwoche, zur Vollmondzeit.  

(übs. von Dana)