Umweltschutz als Druckmittel in Montes Azules
Hermann Bellinghausen (La Jornada, Dienstag, 19. März 2002)

 Tierra y Libertad, Chiapas, 18. März. Die Gemeinden in Wiederstand im südlichen Montes Azules sind in den letzten paar Wochen bedrohlichen Überflüge von Militärhubschrauber ausgesetzt worden. Einem Sprecher zufolge haben sie jedoch neue Informationen darüber erhalten, dass der  Druck im Amador Tal, in den autonomen Bezirken von Emiliano Zapata und Ricardo Flores Magón, und innerhalb und außerhalb des Naturschutzgebietes, viel größer gewesen ist.

Seit dem letzten Februar sind nächtliche Manöver und Luftpatrouillen über den Gemeinden von Rizo Oro und entlang der gesamten Route von Santo Tomás bis zum Bezirk von San Pedro de Michoacán alltäglich gewesen. In der Berggegend um Amador Hernández, nördlich von San Quintín finden jede Nacht Überflüge statt. Die Hubschrauber überfliegen dann das gesamte Ibarra Tal, angefangen mit der Mono Blanco Sierra. Gewöhnlich ab 20:00 Uhr abends.

Während des Albores Wahnsinns von 1998 wurden zwei autonome Bezirke in der Selva gewaltsam "aufgelöst": Tierra y Libertad und Ricardo Flores Magón. Eben jene, die Gemeinden tief in der Selva hatten, in oder nahe Montes Azules. Aber das war noch nicht alles. Südlich der Selva, einige Kilometer von Guatemala entfernt, war Amparo Aguatinta nicht länger Bezirkshauptsitz von Tierra y Libertad. Taniperla, im Nordosten der Lacandona, war nicht länger Bezirkshauptsitz von Flores Magón. Militärpositionen, damals wie heute, operieren in der Nähe beider Gemeinden, scheinbar nicht im Einklang mit der präsidialen Anordnung zur Räumung aller Kontrollpunkte in der Konfliktzone.

Gemeinden dieser zwei autonomen Bezirke gehören zu den zwei größten Schätze von Montes Azules. Das direkte Interesse von Staatsbeamten, Investoren, Forscher und Militärstrategen in (Tierra y Libertad) und der Laguna El Suspiro Region (Flores Magón) erklärt wieso gerade diese zwei Bezirke "aufgelöst" worden sind, mit dem vollen Gewicht des Gesetzes und der Mitarbeit von Paramilitärs.

Seit damals haben die politisch exilierten autonomen Autoritäten von Tierra y Libertad weiterhin so gut wie möglich für die Selva gearbeitet und gesorgt. Noch vor den verdächtigen Bränden, die die Selva in 1998 verwüstet haben, praktizierten die autonomen Bezirke und Gemeinden von ARIC-Independente die "labranza cero" (Ackerrodung), nicht das traditionelle System der Brandrodung. Dennoch wurden sie für die Brände verantwortlich gemacht, und ihre Vertreibung wurde hartnäckig besprochen.

Heute fürchten Campesinos innerhalb des Naturschutzgebietes, dass diese Brände, die gelegt werden, aber nicht von ihnen, ihnen "angehängt" werden. Sie fürchten sich nun, da die Erntezeit naht, und auch die Brände in der ganzen Selva und in trockene Wälder.

Nicht weit entfernt, vereinigt sich die Chajul Selva mit dem guatemaltekischen Ixcán, und es gibt Pläne dies in eine der Hauptgrenzkorridore dessen zu verwandeln, das in Regierungs- Investoren- und Umweltkreisen immer öfter als Maya Urwald bezeichnet wird. Es wird das Wunder des guatemaltekischen Petén mit der Lacandona und der Ixcán Selva verbinden. Das ist das, was sie in den Vereinigten Staaten einen "regionalen Plan" nennen, geostrategisch, und fünf Selvas in Belize, Guatemala and Mexiko umfassend.

Aus den gerade umgesetzten Plänen wird ersichtlich, dass sie in Betracht ziehen, den Maya Urwald so weit wie möglich von den Maya zu säubern. Um das zu erreichen, hat sich die mexikanische Regierung bereits verpflichtet, wie aus zahlreichen Erklärungen und Manifeste von Staatsbeamten in den letzten Monaten ersichtlich wurde, energisch gegen die neue Art "Terrorist" vorzugehen, der nun von den internationalen Konklaven erfunden worden ist: der "Umweltterrorist".

Am 2. Januar dieses Jahres schlug Umweltministerin Julia Caraibas in einem offiziellen UNAM Bulletin Alarm über die alarmierenden Rodungen im ganzen Land, und der Notwendigkeit zur uneingeschränkten Gesetzesanwendung. Sie denunzierte insbesondere die Tatsache, dass bei den Maßnahmen der  Minister von Chiapas, soziale Kriterien schwerer wiegen als Umweltkritierien. Das ist die Doktrin, von der die "Verteidiger" der Selva angetrieben werden: nichts über soziale Berücksichtigungen (historische werden nicht einmal erwähnt), die Umwelt kommt zuerst. Das setzt eine zentrale These voraus, nach der diese Campesinos für die Zerstörung der Selva verantwortlich zu machen sind, und die biologischen Reichtümer von Laguna El Suspiro und Chajul besseren Händen anvertraut werden sollten. Und wessen Hände werden das sein?

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(übs. von Dana)